Heimatkunde

Sárköz (ethnographische Region):

Die ethnographische Region Sárköz lag zur Zeit der ungarischen Landnahme entlang der Donau in Südungarn, auf diesem Gebiet hatte der Stamm „Megyer” seinen Siedlungsplatz. Die Aufgabe des Stammes im Grenzgebiet war die Verteidigung des Landes und der Handelswege.


Im Mittelalter wurden viele Abteien und Kirchen in der Region gegründet, um das Heidentum zurückzudrängen und die Verbreitung der christlichen Religion zu sichern. So wurde zum Beispiel der Abtei in Báta im Jahre 1092 und der Abtei in Bátaszék (Badeseck) im Jahre 1142 gegründet.
Über die Geschichte der Region vor der Landnahme haben wir leider keine Quellen, laut den Forschungen vermischten sich aber die Ungaren mit den Stämmen der Slawen, Awaren und Petschenegen, so ist das Volk der Sárköz geboren.

Die Bakta-Berg in Szekszárd (Sechsard), die schöne Landschaft von Báta, die Hügel von Mohács (Mohatsch) und die Sumpfwälder entlang der Alten-Donau begrenzen unsere Region.
Die im ethnographischen Sinn zur Sárköz gehörenden Siedlungen: Őcsény, Decs, Sárpilis, Alsónyék, Báta.



Früher war Sárköz ein undurchdringliches Sumpfgebiet, davon hat die Region den Namen bekommen: ‚sár-köz‘= ‚Gebiet, das sumpfig, schlammig ist‘. In der Friedenzeit lebten die Menschen auf den Randgebieten, in den Kriegen suchten sie aber in den Sümpfen Schutz.
In der Türkenzeit (16-17. Jahrhundert) bauten die hier lebenden für die Verteidigung ihrer Siedlungen Kanäle, um das Wasser zu leiten, und damit den Weg vor den Feinden zu sperren.
Die Türkenkriege forderten viele Opfer, auf dem ehemaligen Türkischen Eroberungsgebiet wurde die Bevölkerung mancherorts ganz vernichtet, aber in der Region Sárköz überlebte ca. 40% der Bevölkerung.

In der Türkenzeit vereinte die Aufnahme der neuen Religion die Bevölkerung mit der Verbreitung der Reformation. Die Bewohner der Dörfer in der Region wurden einheitlich Anhänger der calvinistischen Religion.


Neben der Aufnahme der neuen Religion bedeutete die Regulierung der Donau einen Wendepunkt im Leben der Menschen. Die früheren Sumpfgebiete wurden zum Ackerland, was einen Aufschwung in der Landwirtschaft mit sich brachte. In einigen Jahren hat sich der Ernte so erhöht, dass die Landwirtschaft der Bevölkerung einen guten Lebensunterhalt sichern konnte und die Lebensumstände viel besser geworden waren.
Die Gesellschaft war früher homogen, dieser Zeit entsteht aber schon eine gegliederte Gesellschaft. Die späteren Einwanderer (Raizen, Serben, Katholiker) sollten sich an die Lebensform und Bräuche der Region anpassen, Konflikte entstanden im meisten aus religiöser Gründen. (z.B.: zwischen den zwei Teilen von Bátaszék (Badeseck): ‚Felszeg‘ mit der calvinistischen Religion und ‚Alszeg‘ mit der katholischen Religion.)


Karten: Vor und nach der Flussregulierung

Wie sich die Wirtschaft und die Natur der Region veränderten, und die calvinistische Religion sich verbreitete, so entwickelte sich eine moderne Lebensform. Am Anfang der 1800-er Jahren entstand ein neuer Familientyp in den Dörfern: Familie mit nur einem Kind. Das Ziel der Familien war damit, dass das Vermögen und die Güter ohne Zergliederung in der Familie bleiben.
Diese Ein-Kind-Familien lebten in der Sárköz, und bewahrten auch im 20. Jahrhundert ihre alte Tracht, Gewebe, Sprache, und Bräuche.


Szeremle (Dorf in Sárköz):


Szeremle liegt in Südungarn, im Komitat Bács-Kiskun, in der Region Sárköz, 6 km entfernt von der Stadt Baja.
Die schönen Kirchen des Dorfs bieten den Reisenden einen wunderschönen Blick aus der Ferne. Das kleine Dorf liegt neben den bewundernswerten Wäldern der ‚Gemenc‘, entlang der Donau und deren Altwasser ‚Sugovica‘. Diese Wunder der Natur wurden mehrmals die Feinde des Dorfes, aber in meisten Zeiten boten diese den Dorfbewohnern den guten Lebensunterhalt an.

Die Religion des Dorfes veränderte sich am Anfang der Türkenzeit nach der Schlacht bei Mohács (1526). Die neue Religion war die calvinistische Religion, die die katholische Religion ablöste.


Das Dorf sollte in der Geschichte mehrmals „umziehen“: auf die andere Seite der Donau oder ‚Sugovica‘. Der originelle Siedlungsplatz wurde 1772 das heutige Gebiet des Dorfes.
Der Raum war schon in der Bronzezeit bewohnt, den Fakt beweisen archäologische Funde: Keramik und Urnen.
Zur Zeit der Landnahme siedelte sich der Stamm von Botond auf dem Gebiet an, also er hätte der „Urvater“ der Dorfbewohner sein können.
In dem neu gegründeten ungarischen Staat wurde das alte Dorf an das Komitat ‚Bodrog‘ angeschlossen.

Die erste schriftliche Quelle über das Dorf stammt aus dem Jahr 1090, aus den 14. und 15. Jahrhunderten wurden zahlreiche Dokumente überliefert. Die Quellen bieten viele Informationen über das Dorf an, so zum Beispiel ,dass ‚Szeremle‘ einmal eine freie königliche Stadt gewesen sei, oder die früheren Namen des Dorfes: ‚Zeremlyian‘, ‚Zeremlian‘, ‚Seremlyn‘, ‚Sceremlen‘. Der heutige Name tritt in einer Quelle aus dem Jahr 1779 auf.


Im 18. Jahrhundert befand sich das Dorf im Überschwemmungsgebiet der Donau. Hier wurde meistens Viehzucht aber in kleineren Maßen auch Landwirtschaft betrieben. Im 19. Jahrhundert wurden die ersten Deiche gebaut, die mit dem Regulieren der Donau viel zu der landwirtschaftlichen Aufschwung brachten.

In der ganzen Region Sárköz und so in Szeremle spielte der Weinbau eine wichtige Rolle. Das Dorf ‚Dunaszekcső‘ (Seetsche) ist aber auf der anderen Seite der Donau besser für den Weinbau geeignet, deswegen kauften oder pachteten viele von Szeremle dort Häuser an den Hügeln.


Der Bevölkerungsaufbau des Dorfes veränderte sich durch die Jahrhunderte im Hinblick auf die Nationalitäten nicht: nach Imre Csák, dem Erzbischof von Kalocsa aus dem Jahr 1731 waren die Dorfbewohner vorwiegend von ungarischer Nationalität.


Pflege der Traditionen:

Die Leute in Szeremle hatten viele Feste, besondere Tage in ihrem Kalender. Hier werden diejenige vorgetragen, bei denen der Tanz eine besondere Rolle spielte, oder die ganz eigenartig in Ungarn sind.

• Die Bewachung der Weintraube: In der Geschichte des Dorfes war der Weinbau immer bedeutend. Wenn die Weintrauben reiften, zogen sich Mädchen in die Hütten auf den Weingütern, um die Weinreben zu bewahren. Sie benutzten zum Beispiel Rasseln, um mit den Geräuschen die Vögel wegzutreiben. Ein Fest wurde nach der Weinlese mit Musik, Tanz, und einem großen Festessen gehalten. (Aus dieser Tradition entwickelte sich später der Weinlese-Ball.)


• Der Weinlese-Ball: Vor dem Ball fuhren die Teilnehmer mit Pferdewagen und einer Musikgruppe durch das Dorf und sie tanzten und sangen auf dem Weg. Eine Krone aus Obst (Traube, Apfel, Paprika, Mais) wurde auch mitgebracht und am Abend im Ball verkauft.


• Hochzeit: Meistens wurde die Eheschließung in Szeremle von den Eltern organisiert und die Paare wurden jung verheiratet. Bei der Verlobung waren die Eltern und Verwandten anwesend. Es war bei der Verlobung im Gebrauch, dass man vor das Tor des Brauthauses viele alte Töpfer und Gefäße voll mit Asche, Tonscherben, und Gerümpel beim Singen und Tanzen warf und die Braut sollte diese bis Morgendämmerung aufräumen. Falls sie das nicht getan hatte, wurde sie als faul bezeichnet.
Die Feste der Hochzeit dauerten ca. eine Woche lang mit der Verlobung, den Festessen, den Tänzen und mit der ganzen Zeremonie.


• Ostern: Das Ostern wurde und ist heutzutage überall im Land gefeiert, doch ist wichtig hier zu erwähnen. In Szeremle lebt der Brauch des Begießen, als die Jungen oder Männer die Mädchen aufsuchen und sie mit einem Eimer Wasser begießen. Heutzutage bespritzen die Männer die Frauen mit Sodawasser oder mit Kölnischwasser. Im Gebrauch war noch am Ostermontag das Schaukeln der Mädchen. An diesem Tag war der Tanz verboten, doch wollten die Jugendlichen irgendwie Spaß haben. Die Jungen fertigten Schaukeln aus kleinen Ästen an und hängten sie auf große Bäume überall im Dorf auf. Während des Schaukelns sangen die Jugendlichen.


• Pfingsten: Unser besonderes Fest ist das Pfingsten. Am Pfingstsonntag wurde das „ladikázás“= „Bootfahren am Sugovica“ gehalten. (ladik=Boot) Nach der Tradition schmückten die Jungen nach dem Gottesdienst ihre Boote mit Blumen und grünen Ästen aus und warteten am Sugovica auf die Mädchen. Sie kamen tanzend und singend durch das Dorf und brachten viele mit sich. Die Jungen riefen die Mädchen in die Boote ein. Das Fest ging später auf der anderen Seite des Flusses weiter. Die Tradition lebt seit den 1970-er Jahren wieder in Szeremle und viele aus ganzen Ungarn kommen, um ein Teil des eigenartigen Festes zu sein.


• Spinnerei: Beim Spinnen waren die Mädchen und die Frauen beschäftigt, meistens an den Wintertagen. Viele trafen sich in einem Haus, und der Mann des Hauses kochte den spinnenden Frauen. Manchmal wanderten die Jungen ein und so verbrachten sie die Zeit mit Singen, Tanz oder Spielen.


• Schlachten: das Ereignis war ein der wichtigsten im Winter. Die meiste Arbeit wurde von den Schlächtern errichtet, aber die Frauen kochten ganzen Tag, um am Abend ein großes Festessen zu haben.


• Maibaum: das Aufstellen des Maibaums gehörte zu den wichtigen Geschehnissen in Szeremle. Die Jungen stahlen einige Espen aus dem Wald am letzten April Abend und brachten diese vor die Häuser der Mädchen, die Kolatschen backten und den Baum mit buntem Krepp-Papier schmückten. Bis Ende Mai stand der Baum vor dem Haus der Mädchen, am letzten Tag des Monats wurde der Maibaum „ausgetanzt“ also mit Tanzen und Singen verabschiedet.